Susanne Richter vom Fraunhofer CSP erhält Heinz-Bethge-Nachwuchspreis für Mikroskopie

Presseinformation / 23.11.2016

Für ihre Dissertation ist die Physikerin Dr. Susanne Richter mit dem Nachwuchspreis der Heinz-Bethge-Stiftung für angewandte Elektronenmikroskopie ausgezeichnet worden. Die 32-Jährige forscht am Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP und erhielt die mit 500 Euro dotierte Auszeichnung im Rahmen der Jahresversammlung der Stiftung am 17. November 2016 in Halle. Die Ergebnisse ihrer Forschung können dazu beitragen, die Zuverlässigkeit von Solarzellen zu steigern und Hocheffizienz-Solarzellenkonzepte weiter zu entwickeln.

Preis Ehrung Doktorwuerde Photovoltaik
© Foto Fraunhofer CSP

Physikerin Dr. Susanne Richter wurde für ihre Dissertation ausgezeichnet.

Auszeichnung angewandte Elektronenmikroskopie Verleihung
© Foto Heinz-Bethge-Stiftung

Dr. Sylke Meyer vom Fraunhofer CSP nahm den Preis für ihre Kollegin entgegen, der von Prof. Dieter Katzer, stv. Vorsitzender der Heinz-Bethge-Stiftung, Mirko Potthast, Filialleiter der Commerzbank Halle, und Prof. Goerg Michler, Vorsitzender der Heinz-Bethge-Stiftung (von links), überreicht wurde.

Die Heinz-Bethge-Stiftung honoriert mit dem Nachwuchspreis herausragende Master-, Diplom- und Promotionsarbeiten, in deren Mittelpunkt theoretische beziehungsweise experimentelle Beiträge zur Mikroskopie beziehungsweise Mikrostrukturaufklärung mittels mikroskopischer oder elektronenoptischer Techniken stehen. »Wie wichtig diese Methoden beispielsweise für die Forschung zu einer nachhaltigen Energieversorgung sind, zeigt die Doktorarbeit von Susanne Richter in eindrucksvoller Weise. Mit dem Preis möchten wir die Auseinandersetzung von Studierenden und jungen Wissenschaftlern mit mikroskopischen Techniken fördern«, sagt Professor Dieter Katzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bethge-Stiftung.

In ihrer Doktorarbeit nahm Susanne Richter den Kristallisationsprozess von Silizium in den Blick. Dabei entstehen strukturelle Defekte im Material durch nichtmetallische Fremdelemente wie Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff – solche Störungen im dreidimensionalen Kristallgitter können sich negativ auf den Wirkungsgrad oder die Lebensdauer der späteren Solarzellen auswirken, wenn es beispielsweise zu Kurzschlüssen kommt.

Ziel der Arbeit »Entstehung und Charakterisierung von nichtmetallischen Fremdphasen bei Siliziumskristallisationsprozessen für die Photovoltaik« war es, ein tiefergehendes Verständnis der dabei ablaufenden Prozesse zu gewinnen. Zuerst wurde ein Messverfahren weiterentwickelt, um die mikroskopisch kleinen Fremdphasen in ihrer Zusammensetzung hochaufgelöst untersuchen zu können. Richter betrachtete dabei verschiedene Kristallisationsverfahren (Float Zone, Czochralski, Vertical Gradient Freeze) und ermittelte, ab welchem Wert die Konzentration von Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff im Silizium kritisch wird, wie sich die entstehenden Fremdphasen klassifizieren lassen und wie man aus ihren Eigenschaften Rückschlüsse auf ihre Entstehungsbedingungen im Siliziumkristall ziehen kann.

Die Erkenntnisse tragen dazu bei, defektreiches Material frühzeitig zu erkennen. So ist sichergestellt, dass es nicht weiter verarbeitet wird und der Herstellungsprozess optimiert werden kann. »Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, denn sie bestätigt mich darin, dass es sich lohnt zu forschen, um die Welt zu verstehen und ein kleines bisschen voran zu bringen«, sagt Richter, die den Preis nicht selbst entgegen nehmen konnte.

In ihrer künftigen Forschungsarbeit in der Gruppe »Diagnostik Solarzellen« am Fraunhofer CSP, in der sie seit 2008 tätig ist, wird sich die Physikerin schwerpunktmäßig mit der strukturellen und chemischen Analyse von Oberflächen und Grenzflächen an alternativen Substraten beschäftigen. »Der Preis der Heinz-Bethge-Stiftung ist dabei ein großer Ansporn«, sagt Richter. » Die von mir untersuchten Defekte im Submikrometer- bis in den Millimeterbereich erforderten die Anwendung von verschiedenen licht- und elektronenmikroskopischen Verfahren. Dies war nicht nur für meine Arbeit essenziell, sondern zeigt auch die Bedeutung dieser Methoden für die Weiterentwicklung der Photovoltaik insgesamt.«

Die Preisträgerin wurde von einer internationalen Jury ausgewählt, die dabei die Relevanz der eingereichten Arbeiten für anwendungsorientierte Fragestellungen, die Originalität des Lösungsansatzes zur Strukturaufklärung, die Komplexität der mikroskopischen Charakterisierung oder der Präparationsmethodik sowie die wissenschaftliche Qualität bewertete. Das Preisgeld wird von der Commerzbank AG gestiftet.