Institutsleiter Prof. Dr. rer. nat. habil. Ralf B. Wehrspohn im Porträt

Diplom-Physiker | Leiter des Fraunhofer- Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle und Inhaber des Lehrstuhls für Mikrostrukturbasier tes Materialdesign an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

© Fraunhofer/Jürgen Lösel

Prof. Dr. Ralf B. Wehrsohn leitet das Fraunhofer IMWS seit 2006.

Ist Ungeduld eine Tugend? Manche sagen, Ungeduldige strapazieren ihr soziales Umfeld, andere schätzen es, wenn umtriebige Menschen Dinge vorantreiben und Bewegung in Projekte und Strukturen bringen. Ralf Wehrspohn sieht sowohl die Vorteile als auch die Nachteile, und er muss es wissen, denn er schätzt sich selbst als ziemlich ungeduldig ein.

Fragt man die Mitarbeitenden und das Kollegium des Wissenschaftlers, erhält man eine klare Antwort: Ralf Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, ist genau der Richtige auf seinem Posten. Denn er bringt das Institut nach vorn. Struktur und Portfolio werden angepasst – und der Erfolg lässt nicht auf sich warten. Seit der Physiker die Verantwortung trägt, hat sich die wirtschaftliche Perspektive des Instituts hervorragend entwickelt und die Belegschaft verdreifacht.

Auch für Ralf Wehrspohn selbst zahlt sich sein unermüdlicher Einsatz aus: Eine Promotion an der höchst renommierten École Polytechnique in Frankreich, die Entwicklung der ersten Flachbildschirme bei Philips in England, die Habilitation an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Professur an der Universität Paderborn, die Wahl unter die »101 innovativsten Köpfe in Deutschland« im Ranking der »Financial Times Deutschland« und der Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft sorgten bei dem aufstrebenden Physiker für einen zusätzlichen Motivationsschub. Und dann die Leitung eines Fraunhofer-Instituts, als jüngster Institutsleiter – Ralf Wehrspohn kennt dazu eine Anekdote: »Mein Vorgänger Professor Katzer pries diese Position damals mit dem Bonmot an, das sei der schönste Job nach dem des Papstes. Ich erwiderte, dass ich Protestant bin und dass es dann wohl der schönste Job überhaupt sein müsse. Und so ist es auch.«

Ralf Wehrspohns Hauptarbeitsgebiet ist die Werkstoffforschung – ein Thema, das aus seiner Sicht in Wissenschaft und Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. Das will er ändern, denn 70 Prozent aller Innovationen in Deutschland sind werkstoffbasiert. Wer hier die Forschung intensiviert, kann also viel für Wirtschaft und Gesellschaft tun. Wehrspohns Ideen in diesem Bereich finden noch mehr Gehör, seit er auch stellvertretender Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds Werkstoffe, Bauteile – MATERIALS und Sprecher der Initiative Materials Data Space geworden ist.

Der Draht zur Öffentlichkeit ist dem Materialforscher sehr wichtig: In der Kommunikation engagiert er sich nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich. So wirkte er bei science2public daran mit, den Kurzfilm als neues Genre für die Wissenschaftskommunikation zu erschließen und mehrere Filmfestivals rund um diesen Themenbereich zu etablieren. Aktuell arbeitet er daran, Wissenschaft und Kunst innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft als Allianz zu etablieren, etwa mit der Veranstaltung »Kunst und Wissenschaft im Dialog«, die im Juni 2016 im Fraunhofer- Forum stattfand. Ralf Wehrspohns energiegeladene Arbeitsweise zeigt also weit über sein Institut hinaus positive Wirkung – womit die anfängliche Frage, zumindest bezogen auf seine Person, beantwortet ist.