Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Dr.-Ing. Christoph Mühlhaus, der mit seinem herausragenden Engagement und unermüdlichen Einsatz die mitteldeutsche Chemieregion über Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt und die Arbeit am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in vielfältiger Weise bereichert hat.
»Christoph Mühlhaus hat sich große und bleibende Verdienste um unser Institut erworben, unter anderem als Mitglied unseres Kuratoriums über einen Zeitraum von 20 Jahren sowie als Förderer unserer Aktivitäten im Bereich der Kunststofftechnik. In seinem Wirken verband er ein klares Verständnis für die ökonomischen Rahmenbedingungen der Industrie mit vorausschauenden Impulsen zur Stärkung der Innovationskraft durch strategisch ausgerichtete Forschung und Entwicklung. Mit großer Leidenschaft und hohem persönlichen Engagement setzte er sich für die Zukunft des Chemiestandortes Mitteldeutschland ein und brachte dafür Politik, Wissenschaft und Industrie in tragfähigen Netzwerken zusammen. Dabei stellte er stets die Zukunft der Region in den Mittelpunkt – nicht die eigene Person«, sagt PD Dr. Christian Schmelzer, kommissarischer Institutsleiter des Fraunhofer IMWS.
Sein Lebenswerk ist untrennbar mit der Sicherung und Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Industriestandorts Mitteldeutschland verbunden. In ihm verlieren wir einen visionären Ingenieur, einen Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und einen leidenschaftlichen Fürsprecher für Innovation, Kompetenzausbau und Vernetzung.
Ein Leben für die Chemie und die Region
Christoph Mühlhaus wurde 1942 in Halle geboren und studierte Verfahrenstechnik an der Technischen Hochschule Merseburg. Bereits mit Beginn seiner Berufslaufbahn im Jahr 1966 bei den Chemischen Werken Buna zeigte sich seine außergewöhnliche Leidenschaft für Forschung und Entwicklung. Früh übernahm er Führungsverantwortung, baute eine verfahrenstechnische Berechnungsgruppe auf und initiierte den Bau mehrerer Pilotanlagen, die die Innovationskraft des Kombinats nachhaltig stärkten. Seine Promotion an der Akademie der Wissenschaften legte den Grundstein für zahlreiche technologische Entwicklungen und markierte zugleich den Beginn seiner engen Verbindung zur Wissenschaftslandschaft.
Architekt des Wandels
In den Umbruchszeiten nach 1989 trat Dr. Mühlhaus als eine der herausragenden Persönlichkeiten der sachsen-anhaltinischen Chemieindustrie hervor. Als Mitglied des Vorstandes und Arbeitsdirektor der Buna AG steuerte er mit Umsicht und Weitblick den schwierigen Privatisierungsprozess und engagierte sich dafür, dass Forschung und Entwicklung am Standort erhalten blieben. Sein Einsatz sicherte nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern bewahrte ein einzigartiges industrielles und wissenschaftliches Know-how für die Region und für Deutschland.
Mit großer Weitsicht erkannte er die Chancen, die in der Vernetzung von Industrie und Wissenschaft liegen. In seinen Funktionen als Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer der Buna GmbH, der Buna Dow Leuna Olefinverbund GmbH und der Dow Olefinverbund GmbH setzte er nicht nur auf unternehmerischen Erfolg, sondern immer auch auf die Innovationsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung der gesamten Chemieregion. Für ihn war klar: Zukunftssicherung gelingt nur im engen Schulterschluss von Unternehmen, Wissenschaft und Politik.
Wichtiger Impulsgeber für Fraunhofer
Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens lag auf der Förderung der Fraunhofer-Institute und der wissenschaftlichen Infrastruktur in Mitteldeutschland. Die Etablierung des Fraunhofer-Pilotanlagenzentrums für Polymersynthese und -verarbeitung PAZ in Schkopau geht maßgeblich auf seine Initiative zurück. Das Pilotanlagenzentrum etablierte sich als wichtiger Baustein für den Aufbau eines leistungsfähigen Forschungs- und Innovationsstandorts. Dr. Mühlhaus beriet unser Institut bei strategischen Weichenstellungen, unterstützte die Entwicklung von Zukunftsperspektiven und gab wertvolle Impulse für die Nachwuchsförderung und die Verankerung der Wissenschaft in der Region. Sein Engagement trug entscheidend dazu bei, den Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt nachhaltig zu stärken und die internationale Sichtbarkeit der Fraunhofer-Institute in Mitteldeutschland zu erhöhen.
Vernetzung, Innovation und Nachwuchsförderung
Die Förderung von Netzwerken und die Stärkung der Innovationskraft der Chemieindustrie und unserer Region insgesamt waren Dr. Mühlhaus ein zentrales Anliegen. Auch seine Fähigkeit, Menschen für die Wissenschaft und für die Chemie zu begeistern, bleibt unvergessen und wirkt in vielen Karrieren nach.
Als Initiator und Sprecher des Clusters Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland schuf er eine Plattform, auf der Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Politik zusammenkommen, um Synergien zu heben und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region zu sichern. Über zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Initiativen prägte er die Entwicklung der Polymerbranche und verhalf der mitteldeutschen Chemie zu einem modernen, zukunftsorientierten Profil. Im Strategiedialog mit der Landesregierung und im engen Austausch mit den Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft war er ein gefragter Ratgeber, dessen Urteil weit über die Region hinaus geschätzt wurde.
Pionier der Wasserstoffwirtschaft
Noch in der jüngeren Vergangenheit war Dr. Mühlhaus federführend an Zukunftsprojekten beteiligt. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Initiative »HYPOS – Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany« trieb er die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft voran, die das Potenzial hat, die Energiewende maßgeblich zu gestalten und den Wissenschafts- und Industriestandort Mitteldeutschland weiter zu profilieren. Im Forum Rathenau e. V. wirkte er bis zuletzt als Ansprechpartner für Chemiethemen mit.
Für seine Verdienste wurde Dr. Mühlhaus mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter das Bundesverdienstkreuz und der Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik. Doch sein größtes Vermächtnis ist die mitteldeutschen Chemieregion als innovative, vernetzte und leistungsstarke Wissenschafts- und Industrielandschaft, die ohne sein Wirken nicht dieselbe wäre.
Wir verlieren mit Dr. Christoph Mühlhaus einen großartigen Ingenieur, einen Gestalter und Visionär, einen Mentor und Kollegen, dessen Wirken weit über seine Lebenszeit hinausstrahlt. Sein Einsatz für die Fraunhofer-Gesellschaft und für den Wissenschaftsstandort Mitteldeutschland bleibt Vorbild und Verpflichtung zugleich.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.