Interview mit Dr.-Ing. Andreas Kiesow

»Wir stehen Kunden entlang der Wertschöpfungskette zur Seite«

Im Geschäftsfeld »Biologische und Makromolekulare Materialien« des Fraunhofer IMWS steht die Erforschung und Weiterentwicklung von Materialien für Medizintechnik, Biotechnologie und kosmetische Pflege im Mittelpunkt. Das Team entwickelt biomimetische und biofunktionale Werkstoffe sowie maßgeschneiderte medizinische Lösungen, etwa für Zahnpflege, Prothesen oder Biofilmmodelle. Ziel ist es, die Funktionalität, Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Gesundheitsanwendungen zu steigern.

 

Was waren aus Ihrer Sicht Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres, die den konkreten Nutzen Ihrer Forschungsarbeit für Kundinnen und Kunden verdeutlichen?

Ein sehr prominentes Beispiel aus dem vergangenen Jahr ist eine Zahncreme, die wir gemeinsam mit Partnern aus Halle entwickelt haben. Sie ist sehr erfolgreich auf dem Markt gestartet und setzt darauf, die für Parodontitis verantwortlichen Keime nicht abzutöten, sondern unschädlich zu machen. So bleibt die natürliche Mundflora erhalten. Wenn so ein Produkt, in dem Know-how unseres Instituts steckt, nach langer gemeinsamer Forschungsarbeit auf den Markt kommt, ist das natürlich sehr motivierend und ein sehr klarer Beleg für unsere anwendungsorientierte Expertise.

Sehr spannend war auch, wie wir mit dem neuen Orbitrap Astral Massenspektrometer – dem ersten Gerät dieser Art in der Fraunhofer-Gesellschaft – in ersten Projekten zeigen konnten, wie wertvoll die damit mögliche hochauflösende Analytik für Kunden aus den Bereichen Biomaterialien, Lebensmittelwirtschaft, Pharmazie oder Medizin sein kann.

Stark geprägt war das zurückliegende Jahr natürlich auch davon, dass unser Geschäftsfeldleiter die kommissarische Institutsleitung übernommen hat. Als Stellvertreter hatte ich, gemeinsam mit Andrea Friedmann, so noch mehr Verantwortung für die operativen Abläufe. Ich bin sehr froh, dass wir diese Situation mit dem gesamten Team so erfolgreich bewältigt haben.

 

In welchen Bereichen suchen Sie Kooperationspartner und Auftraggeber? Wie arbeiten Sie mit ihnen zusammen, um Mehrwert zu schaffen?

Unsere wichtigsten Kompetenzen liegen in der Materialforschung für biologische Materialien mit maßgeschneiderter Funktionalität, in der Analytik und der Modifikation von Oberflächen. Das ist vor allem attraktiv für Unternehmen aus dem Gesundheits- und Kosmetikbereich, wir arbeiten aber auch regelmäßig mit Partnern aus anderen Branchen zusammen. Unser Leistungsspektrum reicht von der Probenpräparation bis zur datenbasierten Auswertung und Visualisierung belastbarer Ergebnisse. Wir stehen unseren Kunden also entlang der gesamten Wertschöpfungskette zur Seite – von Forschung und Entwicklung über Qualitätssicherung bis hin zu Claim Support und wissenschaftlich fundiertem Marketing. Auch in der Modellentwicklung sowie der Konzeption und Umsetzung von speziellen Test-Setups für individuelle Fragestellungen haben wir viel Erfahrung.

 

Welche Entwicklungen stehen an, um das Angebot des Geschäftsfelds in Zukunft weiterzuentwickeln?

Kurzfristig streben wir an, unsere Kompetenz in der Aufklärung chemischer, physikalischer, biologischer und mechanischer Wirkmechanismen in Pflege- und Medizinprodukten auszubauen und auch auf neue Bereiche auszuweiten, etwa Proteomics. In weiterer Zukunft finde ich die Möglichkeiten sehr spannend, die bionische Systeme oder Kombinationen aus biologischen Systemen mit nicht-lebenden Komponenten bieten werden. Auch hier wird ein umfassendes Materialverständnis gefragt sein, zu dem wir wichtige Beiträge liefern können.