Im Tissue Engineering werden Prinzipien der Biologie, Ingenieurwissenschaften und Materialwissenschaften kombiniert, um biologische Gewebe zu entwickeln. Diese lassen sich beispielsweise nutzen, um beschädigte oder fehlende Gewebe im Körper (wie Haut, Knorpel oder Herzgewebe) zu ersetzen oder zu regenerieren. Auch für die Wundheilung (Einsatz bioaktiver Materialien), die Transplantationsmedizin (weniger Abhängigkeit von Spenderorganen) oder die Medikamentenentwicklung (Einsatz künstlicher Gewebe zur Prüfung von Medikamenten) bietet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Am Fraunhofer IMWS werden dabei vor allem zellbasierte Testsysteme weiterentwickelt, einschließlich neuer Methoden zur Bestimmung biologischer Parameter.
Zellbasierte Testsysteme zur Bestimmung biologischer Parameter
Für die Untersuchung verschiedener biologischer Parameter von Proben bzw. Substanzen setzen wir unsere zellbasierten Testsysteme ein.
Beispielanwendungen:
- Bioaktivitäts-,Zytotoxizitäts- (gemäß ISO 10993-5) und Immunogenitätsprüfung
- Testung der Zelladhäsions- und Zellintegrations- und Zellwachstumseigenschaften von Materialien bzw. Materialoberflächen
- Nachweis von DNA und mikrobieller Rückstände
Zytotoxizitätsprüfung von Materialien in in-vitro Modellsystemen
Zur Durchführung stehen drei etablierte methodische Ansätze zur Verfügung.
- klassische Zellkulturen
- rekonstruierte dreidimensionale Hautmodelle
- vaskuläre Modelle
Sie ermöglichen sowohl eine qualitative als auch eine quantitative Bewertung der Zytotoxizität:
- Qualitative Methoden beruhen auf der mikroskopischen Analyse morphologischer Veränderungen der Zellen (z. B. Schrumpfung, Detachment oder Membranschädigung).
- Quantitative Methoden nutzen kolorimetrische, fluorometrische oder lumineszenzbasierte Assays (z. B. MTT, Resazurin-Assay, XTT, LDH oder ATP-Assays), deren Auswertung typischerweise photometrisch erfolgt.
Je nach Fragestellung und Komplexität des Modells (2D vs. 3D) kommen unterschiedliche Zelltypen zum Einsatz – etwa Fibroblasten, Keratinozyten oder Endothelzellen – wobei bei 3D-Haut- und vaskulären Modellen besonders auf eine physiologisch relevante Zellarchitektur und Barrierefunktion geachtet wird.
Die Zytotoxizitätsprüfung kann auf drei verschiedene Arten durchgeführt werden:
1. Prüfung mittels Extrakten (Elutionsverfahren):
Das zu testende Material wird in ein Extraktionsmedium überführt, das anschließend auf das Zell- oder Gewebemodell appliziert wird. Diese Methode eignet sich besonders für lösliche oder migrierbare Substanzen und ist kompatibel mit 3D-Modellen.
2. Direkter Kontakt:
Das Testmaterial wird direkt auf die Zellkultur oder das Gewebemodell appliziert. Dies erlaubt eine Bewertung von mechanisch oder physikalisch bedingten Effekten, ist jedoch bei empfindlichen 3D-Strukturen nur eingeschränkt anwendbar.
3. Indirekter Kontakt (z. B. Agar-Overlay-Verfahren):
Eine physikalische Barriere (wie eine Agarose-Schicht) trennt Material und Zellen, erlaubt aber den Austausch diffundierbarer Substanzen. Dieses Verfahren bietet sich besonders für Materialien mit potenziell irritierendem Oberflächenkontakt an