Leistungsangebote

Wir unterstützen die Entwicklung wirksamer Pflege- und Medizinprodukte durch fundierte Aufklärung von Wirkmechanismen und Entwicklung innovativer Materialien.

Darauf aufbauend konzipieren wir leistungsfähige Oberflächentechnologien zur Optimierung biofunktionaler Eigenschaften. Mit unserer wissenschaftlichen und technologischen Expertise beraten wir Industriekunden strategisch bei produkt- und anwendungsbezogenen Fragestellungen in Medizin, Pflege und Umwelt.

Forschung zu Biofilmen im Mundraum leistet entscheidende Beiträge zur Kariesprävention, ermöglicht neue Therapieansätze gegen Parodontose und eine dauerhafte Optimierung der Mundflora. Auch für die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen spielt das Verständnis von Struktur und Funktion oraler Biofilme eine wichtige Rolle. Die Entwicklung von Materialien, die biokompatibel und weniger anfällig für Biofilmbildung sind, ein genaues Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Biofilmen und verschiedenen Werkstoffen, der Test von Wirkstoffen sowie die gezielte Anpassung von Oberflächen, um die Entstehung von Biofilmen zu vermeiden, leisten somit erhebliche Beiträge zur Verbesserung der allgemeinen Mundgesundheit.

Antimikrobielle Wirkstofftestung in Suspension

  • Quantitativer Suspensionsversuch in Anlehnung an DIN EN 1276
  • Hemmhof-Test (Agar-Diffusion) in Anlehnung an DIN EN 20645
  • Quantifizierung der Lebendzellzahl über CFU-Counts auf Selektivnährmedien
  • Entwicklung und Erprobung maßgeschneiderter Testverfahren nach Kundenwunsch

Anwendungsnahe in-vitro-Biofilmmodelle

  • Biofilmbasierte Verfärbungsmodelle
  • Monospezies-Modelle zur antimikrobiellen Wirkstofftestung
  • Entwicklung und Erprobung anwendungsspezifischer Multispezies-Modelle nach Kundenwunsch
  • Zahnsteinmodell (aktuell in Entwicklung)

Mikrobiologische Funktionsanalytik

  • Vitalitäts-Doppelfärbung (z.B. LIVE/DEAD-Staining)
  • Quantitative Biomassebestimmung (z.B. Kristallviolatt-Assay)
  • ATP-Assay zur Bestimmung der metabolischen Aktivität
  • Glutathion-Assay zum Nachweis oxidativen Stresses

Charakterisierung von Biofilmen und Oberflächen mit bildgebenden und sprektroskopischen Verfahren

  • Fluoreszenzmikroskopie (inkl. konfokal)
  • Rasterelektronenmikroskopie
  • FTIR-Spektroskopie

Die Entwicklung protein- und polymer-basierter Biomaterialien eröffnet attraktive Anwendungsmöglichkeiten in der Medizintechnik, etwa in biokompatiblen Implantaten, für die Wundheilung, als Füllmaterialien für Zahnersatz, als orthopädische Hilfsmittel oder zur Verwendung als Trägersysteme für die gezielte Abgabe von Medikamenten. Auch für Kosmetik, Verpackungen oder die Lebensmittelindustrie ergeben sich große Potenziale. Die zielgerichtete Entwicklung erfordert ein umfassendes Materialverständnis, ebenso wie die Überprüfung der Funktionalität und Sicherheit der eingesetzten Werkstoffe, Komposite und Beschichtungen.

Entwicklung anwendungsorientierter protein- und polymer-basierter Biomaterialien und Komposite

Die folgenden Technologien ermöglichen die Verarbeitung von Proteinen, Peptiden, Polysacchariden und biokompatiblen Polymeren zu zahlreichen Halbzeugen wie z.B. Nano- und Mikrofaservliesen, Schaumstoffen, Hydrogelen, Biotinten sowie zellbesiedelten und azellulären künstlichen Geweben und Organen.

  • Uni- und koaxiales Elektrospinnen
    • Im Labormaßstab (Bioinicia Fluidnatek LE-50)
    • Im Pilotmaßstab (Elmarco NS1S500U mit Nanospider™-Technologie)
  • Lyophilisation von Hydrogelen zur Herstellung von Schäumen
  • Entwicklung von Biotinten und Verarbeitung mittels 3D-Bioprinting (CELLINK Bio X™)

 

Entwicklung biofunktionaler Beschichtungen, z.B. antimikrobielle Oberflächen

Ein zentraler Aspekt unserer Forschung ist die Betrachtung der Grenzflächen und Wechselwirkungen zwischen unseren Materialien und lebendem Gewebe sowie Zellen. Mit anwendungsorientierten biologischen/biomimetischen Oberflächenfunktionalisierungen und Beschichtungen können diese Wechselwirkungen beeinflusst werden, z.B. durch gezielte Einstellung gewünschter Eigenschaften wie Hydrophilie/Hydrophobizität oder elektrostatischer Eigenschaften.

  • Biobasierte Beschichtungen durch Elektrospinnen, Dipcoating, Spincoating oder Rakel
  • Verschiedene plasmabasierte Verfahren im Atmosphären- oder Niederdruck

Unsere Kompetenz im Materialdesign wird durch umfassende abbildende, mechanische, biologische, physikalisch-chemische und individuell anwendungsorientierte Prüfmethoden ergänzt.

Durch die gezielte Gestaltung der Oberflächenstruktur biologischer Materialien im Mikro- und Nanometerbereich lassen sich zahlreiche Eigenschaften verbessern, was neue Möglichkeiten für medizinische Anwendungen eröffnet, etwa in der Zahnmedizin, Orthopädie oder regenerativen Medizin. Zu diesen Eigenschaften gehören Biokompatibilität (optimierte Interaktion mit biologischen Geweben, Reduzierung von Abstoßungsreaktionen), Zelladhäsion (Anheftung und Wachstum von Zellen), Oberflächenenergie (Benetzbarkeit und Interaktion mit Flüssigkeiten) und mechanische Eigenschaften (Festigkeit, Flexibilität). Speziell gestaltete Oberflächenstrukturen können zudem das Wachstum von Bakterien hemmen und somit Infektionen vorbeugen, auch zur Freisetzung von Medikamenten oder Wachstumsfaktoren (Drug Delivery Systemen) lassen sie sich einsetzen. Effiziente Technologien zur Erzeugung solcher Mikro- und Nanostrukturen sind dabei genauso wertvoll wie umfassendes materialwissenschaftliches Know-how zur Bewertung der erzielten Performance.

 

Mikro- und Nanostrukturierung von Oberflächen

  • Nanostrukturierung mittels elektrochemischer Anodisierung
  • Mikro-Laserbearbeitung mittels fs-, ps und ns-Lasern
  • Heißprägen mittels Laborpressen in P2P und R2P
  • Spritzguss mittels Spritzgussanlagen ARBURG S320 und Kraus Maffei KM200
  • Tiefziehen mittels Scheu-Dental BIOSTAR

 

Materialwissenschaftliche Bewertung

  • Thermische Eigenschaften mittels Differential Scanning Calorimetry (DSC)
  • Bewertung der 3D-Mikrostruktur mittels Laserscanning-Mikroskopie (LSM)
  • Hochauflösende Darstellung der 2D-Mikro-Nanostruktur mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM)
  • Untersuchung der Benetzbarkeit und der Oberflächenenergie mittels Kontaktwinkelmessung
  • Bewertung von mechanischen Eigenschaften, insbesondere der Adhesions- und Hafteigenschaften mittels Texture Analyzer
  • Spektroskopische Verfahren (UV-Vis, FTIR) zur Bestimmung der Absorptions- und optischen Eigenschaften
  • Nachweis der Biokompatibilität nach ISO 10993

Das Verständnis der Mikrostruktur von Materialien ist von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung von Innovationen. Unser umfassendes Leistungsspektrum bietet modernste Methoden und Technologien für die detaillierte Analyse biologischer Materialien und Materialien für medizinische Anwendungen. 

Methoden zur Untersuchung mikrostruktureller Eigenschaften

  • Visualisierung von Oberflächenstrukturen in Hochauflösung mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM), Transmissionselektronenmiksokopie (TEM), Scanning-Transmissionselektronenmikroskopie (STEM) 
  • REM-Untersuchungen unter Cryo-Bedingungen (Cryo-REM)
  • Energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX) im REM
  • Topographie- und Phasenanlytik mittels Rasterkraftmikroskopie (AFM)
  • 3D-Visualisierung und quantitative Strukturanalyse von Materialsystemen mittels µ-CT
  • Lichtmikroskopie und Fluoreszenzmikroskopie zur Untersuchung von Zellstrukturen, lebenden Zellen und Mikroorganismen sowie biologischer Wechselwirkungen
  • 2D- und 3D-Visualisierung der Oberflächentopographie, optische Profilometrie, Rauheitsmessungen mittels Laser-Scanning-Mikroskopie (LSM)

 

Präparationsmethoden

Generell ist bei abbildenden Methoden eine bestmögliche Probenpräparation der Schlüssel zum Erfolg. Insbesondere bei biologischen Materialien ist vor der Mikrostrukturanalytik eine bedarfsgerechte Präparationsstrategie zu ermitteln. Folgende präparative Methoden stehen uns dafür zu Verfügung:

  • Histologische und immunhistologische Präparation
  • Materialeinbettung und Schliffpräparation (Cutting-Grinding)
  • Fixierungs- und Färbe-/Kontrastierungsmethoden (für Licht- und Elektronenmikoskopie)
  • Gefriertrocknung, Kritisch-Punkt-Trockung
  • NanoSuit-Beschichung, PVD-Metallbeschichtung für die Elektronenmikroskopie
  • Zielpräparation im REM mittels fokussierter Ionenstrahltechnik (FIB)

Die genaue Kenntnis von Materialstruktur, -eigenschaften und -verhalten ist ein entscheidender Hebel bei der Entwicklung verbesserter Zahnpflegeprodukte, von Zahnpasten und Zahnbürsten über Mundspülungen bis hin zu Füllungen und Prothesen. Das Fraunhofer IMWS nutzt seine exzellenten Kompetenzen zur Mikrostrukturanalyse, um bei der Produktentwicklung zu unterstützen, neue Methoden zur Wirksamkeitsuntersuchung zu etablieren und innovative Werkstoffe und Verfahren in die Anwendung zu bringen. Dies umfasst beispielsweise die Durchführung von chemischen und physikalischen Analysen zur Bewertung von Oral-Care-Produkten, gezielte Oberflächenbehandlungen sowie Untersuchungen der Verträglichkeit von Materialien im Mundraum.

Charakterisierung von Zahnhartsubstanz (Mikrostruktur und chemische Analyse)

  • Mineralisierungsprozesse
  • Fluoridinteraktion, Fluoridaufnahme (EFU)
  • Claim-Begründung und Wirkungsanalyse (Karies, Erosion, Hypersensitivität)

 

Zahnbürsten

  • Automatisierte Bürstmaschinen
  • Relativer Dentinabrieb (DIN EN ISO 11609)
  • Bewertung des Zahnbürstenverschleißes
  • Analyse des Übergangs vom Bürstenkopf zum Einzelfilament
  • Experimentelle und numerische Simulation des Filamentkontakts und des Deformationsverhaltens

 

Färbung und Reinigung

  • Färbemodelle mit und ohne Biofilm: optische Beurteilung und Entfernung der Verfärbung
  • Breites Spektrum an materialwissenschaftlichen Methoden zur Charakterisierung von Bleichen, Reinigen, Polieren, Abrasion

 

Dentalmaterialien

  • Mechanische, morphologische und chemische Bewertung von Füllungs- und Prothesenmaterialien
  • Abrasion von Dentalmaterialien: Charakterisierung der Grenzfläche zwischen Dentalmaterial und Gewebe

 

Zahnersatz

  • Materialverträglichkeit (z.B. Reinigungsverfahren)
  • Haftfestigkeitsprüfung (DIN EN ISO 10873)
  • Finite-Elemente-Modellierung der Prothesenpassung

 

Biofilm

  • Einzel- und Multispezies

Proteine in komplexen Proben zu identifizieren und Rückschlüsse auf ihr Zusammenspiel ziehen zu können, ist eine enorm wichtige Grundlage für viele zukunftsweisende Anwendungen in der Medizin, Biotechnologie oder Ernährungswissenschaft. Eine leistungsfähige Analytik ermöglicht beispielsweise die Identifikation von Biomarkern für medizinische Diagnosen und Prognosen oder die Entdeckung und Validierung von Zielstrukturen für neue Medikamente. Zudem bietet sie elementare Erkenntnisse etwa für Toxikologie, Qualitätskontrolle von Lebensmitteln und das Verständnis von biologischen Systemen.

Klinische Fragestellungen

Charakterisierung von Gewebe- oder Zellkulturproben von der Einzelzellanalyse bis hin zu kompletten Gewebelysaten für Diagnosen und Wirkstoffziel-Validierung

 

Ernährung

Präzise Analyse von Proteinen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln, beispielsweise die Quantifizierung von bioaktiven Peptiden oder geschmacklich unerwünschten Di‑ und Tripeptiden

 

Extrazelluläre Matrix

Präzise Analyse von extrazellulären Matrixproben, beispielsweise zur Identifizierung und Quantifizierung posttranslationaler Modifikationen in Elastin, die durch den Alterungsprozess entstehen

 

Post-translationale Modifikationen

Detaillierte Analysen kanonischer und nicht-kanonischer post-translationaler Modifikationen, beispielsweise Advanced Gylcation Endproducts (AGEs) oder Fibrose assoziierte PTMs, um biochemische Signalwege und Entzündungsreaktionen genau zu verstehen

 

De-novo-Sequenzierung

Sequenzierung von Antikörpern und unbekannten Proteinen, um neue Biomarker zu identifizieren und die molekulare Grundlage von Erkrankungen aufzudecken

Im Tissue Engineering werden Prinzipien der Biologie, Ingenieurwissenschaften und Materialwissenschaften kombiniert, um biologische Gewebe zu entwickeln. Diese lassen sich beispielsweise nutzen, um beschädigte oder fehlende Gewebe im Körper (wie Haut, Knorpel oder Herzgewebe) zu ersetzen oder zu regenerieren. Auch für die Wundheilung (Einsatz bioaktiver Materialien), die Transplantationsmedizin (weniger Abhängigkeit von Spenderorganen) oder die Medikamentenentwicklung (Einsatz künstlicher Gewebe zur Prüfung von Medikamenten) bietet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Am Fraunhofer IMWS werden dabei vor allem zellbasierte Testsysteme weiterentwickelt, einschließlich neuer Methoden zur Bestimmung biologischer Parameter.

Zellbasierte Testsysteme zur Bestimmung biologischer Parameter

Für die Untersuchung verschiedener biologischer Parameter von Proben bzw. Substanzen setzen wir unsere zellbasierten Testsysteme ein.   

Beispielanwendungen:

  • Bioaktivitäts-, Zytotoxizitäts- und Immunogenitätsprüfungen
  • Testung antimikrobieller Eigenschaften von Substanzen oder Oberflächen
  • Nachweis von DNA und mikrobieller Rückstände

 

Leistungsangebot

Zytotoxizitätsprüfung von Materialien in in-vitro Modellsystemen – darunter klassische Zellkulturen, rekonstruierte dreidimensionale Hautmodelle sowie vaskuläre Modelle gemäß ISO 10993-5

Zur Durchführung stehen drei etablierte methodische Ansätze zur Verfügung, die entweder eine qualitative oder quantitative Bewertung der Zytotoxizität ermöglichen:

  • Qualitative Methoden beruhen auf der mikroskopischen Analyse morphologischer Veränderungen der Zellen (z. B. Schrumpfung, Detachment oder Membranschädigung).
  • Quantitative Methoden nutzen kolorimetrische, fluorometrische oder lumineszenzbasierte Assays (z. B. MTT, Resazurin-Assay, XTT, LDH oder ATP-Assays), deren Auswertung typischerweise photometrisch erfolgt.

Je nach Fragestellung und Komplexität des Modells (2D vs. 3D) kommen unterschiedliche Zelltypen zum Einsatz – etwa Fibroblasten, Keratinozyten oder Endothelzellen – wobei bei 3D-Haut- und vaskulären Modellen besonders auf eine physiologisch relevante Zellarchitektur und Barrierefunktion geachtet wird.

Die Zytotoxizitätsprüfung kann auf drei verschiedene Arten durchgeführt werden:

1. Prüfung mittels Extrakten (Elutionsverfahren):

Das zu testende Material wird in ein Extraktionsmedium überführt, das anschließend auf das Zell- oder Gewebemodell appliziert wird. Diese Methode eignet sich besonders für lösliche oder migrierbare Substanzen und ist kompatibel mit 3D-Modellen.

2. Direkter Kontakt: 

Das Testmaterial wird direkt auf die Zellkultur oder das Gewebemodell appliziert. Dies erlaubt eine Bewertung von mechanisch oder physikalisch bedingten Effekten, ist jedoch bei empfindlichen 3D-Strukturen nur eingeschränkt anwendbar.

3. Indirekter Kontakt (z. B. Agar-Overlay-Verfahren):

Eine physikalische Barriere (wie eine Agarose-Schicht) trennt Material und Zellen, erlaubt aber den Austausch diffundierbarer Substanzen. Dieses Verfahren bietet sich besonders für Materialien mit potenziell irritierendem Oberflächenkontakt an