Interview mit Prof. Dr.-Ing. Maik Feldmann

»Wir unterstützen Kunden mit Material- und Prozessverständnis«

Das Geschäftsfeld »Polymeranwendungen« des Fraunhofer IMWS konzentriert sich auf die Entwicklung nachhaltiger und innovativer Kunststofflösungen. Schwerpunkte sind faserverstärkte Thermoplaste, Kautschukkomposite, Recycling von Kunststoffabfällen, biobasierte Materialien und Leichtbaulösungen. Es deckt die gesamte Wertschöpfungskette von Materialentwicklung über Prozessoptimierung bis zu Prototypen ab und ermöglicht so ressourcenschonende Anwendungen für Mobilität und Industrie.

 

Was waren aus Ihrer Sicht Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres, die den konkreten Nutzen Ihrer Forschungsarbeit für Kundinnen und Kunden verdeutlichen?

Zwei eindrucksvolle Beispiele dafür gab es gleich zu Beginn des Jahres: Gemeinsam mit einem Konsortium aus Industriepartnern haben wir im Januar den JEC Innovation Award in der Kategorie »Automotive & Road Transportation – Process« gewonnen. Ausgezeichnet wurde ein Herstellungsverfahren, das von uns am Institut entwickelt und patentiert wurde. Es ermöglicht die Verarbeitung von thermoplastischen Sandwich-Halbzeugen in Großserie und eröffnet damit viele Möglichkeiten für Leichtbauanwendungen. Das zeigt, wie wir sowohl mit Material- als auch mit Prozessverständnis unsere Kunden bei zukunftsweisenden Lösungen unterstützen können. Das zweite Beispiel ist das 2025 abgeschlossene Leitprojekt »Waste4Future«. Unter unserer Leitung haben darin acht Fraunhofer-Institute neue Lösungen für das Kunststoffrecycling entwickelt. Durch die Kombination von Kompetenzen konnten wir viele Aspekte wie Sortierung, Rezepturentwicklung, Verwertungspfade und die Minimierung von Abfallströmen entscheidend verbessern und somit attraktive neue Möglichkeiten etwa für die Abfallwirtschaft und die Chemieindustrie schaffen.

Ein großer Erfolg war auch unsere Präsenz auf der K-Messe. Insbesondere für unsere Leichtbau-Kompetenzen und für neue Ideen zum Einsatz thermoplastischer Materialien in der Luftfahrt haben wir hier sehr gutes Feedback bekommen.

 

In welchen Bereichen suchen Sie Kooperationspartner und Auftraggeber? Wie arbeiten Sie mit ihnen zusammen, um Mehrwert zu schaffen?

Wir können alle Kunden unterstützen, die Expertise für Materialien und Prozesse im Bereich faserverstärkter Hochleistungs-Thermoplaste und innovativer Kautschuk-Komposite benötigen. Für sie bieten wir eine ausgezeichnete Ausstattung mit großer methodischer Vielfalt, wobei wir zum Teil über Anlagen bis in den Industriemaßstab verfügen, was eine wirksame Unterstützung bei der Skalierung und prototypischen Abmusterungen erlaubt. Damit bieten wir auch für Start-Ups eine Technologieplattform zur Erprobung, Optimierung und Umsetzung neuer Ideen. Wir können bei der Auswahl von Rohstoffen für Polymeranwendungen ebenso beraten wie bei virtuellen Prozessketten oder der Entwicklung neuer Materialien mit definiertem Werkstoffverhalten.

Was uns auszeichnet, ist die Betrachtung der gesamte Wertschöpfungskette von der Mikrostruktur des Werkstoffs bis zum Bauteil nach Maß, einschließlich der nötigen Kompetenzen in Verarbeitungstechnologien. Damit können wir Mikrostrukturverständnis direkt und gewinnbringend für unsere Kunden nutzbar machen. Bei Direktbeauftragungen gestalten wir mit den Kunden gemeinsam Verträge, um Ziele, Zeitplan, Kosten, Vorgehensweise und beispielsweise auch den Umgang mit geistigem Eigentum passgenau für das jeweilige Unternehmen zu regeln. Häufig arbeiten wir mit Industriepartnern auch in öffentlich geförderten Projektkonsortien zusammen.

 

Welche Entwicklungen stehen an, um das Angebot des Geschäftsfelds in Zukunft weiterzuentwickeln?

Wir müssen uns weiterhin klug in einem sehr dynamischen Umfeld positionieren. Viele Kunden kämpfen mit hohen Energiepreisen und schwacher Konjunktur, umso deutlicher müssen wir herausstellen, wie die Zusammenarbeit mit uns zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit beitragen kann. Dabei gibt es einige Themen, in denen ich bedeutende Zukunftschancen sehe: Leichtbau – etwa durch spezielle Tapes für Hightech-Anwendungen – gehört ebenso dazu wie Biopolymere und Know-how für die Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie. Im Bereich der Hochleistungsthermoplaste können wir bei der Entwicklung und Bewertung passender Werkstoffe für besondere Anwendungen und hochkomplexe Systeme unterstützen. Auch im Bereich Luft- und Raumfahrt können wir künftig noch mehr wichtige Beiträge leisten, wie wir zuletzt mit Projekten wie »EcoRudder« und »STair« bereits gezeigt haben.