Fraunhofer berät Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung der Bundesregierung

6.6.2018

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Innovationsgeist: Mit diesen Zielen wird sich die Fraunhofer-Gesellschaft in die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung einbringen. Das Bundeskabinett hat heute Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale), in das Gremium berufen.

Ralf Wehrspohn Fraunhofer IMWS Halle
© Fraunhofer/Jürgen Lösel

Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS in Halle (Saale), wurde von der Bundesregierung in die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung berufen.

Die Kommission bezieht als Mitglieder insgesamt 24 Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltverbänden und Gewerkschaften ein. Sie wird die Bundesregierung in der Frage beraten, wie die Ziele für den verminderten Ausstoß von Treibhausgasen und den Umbau des Energiesektors erreicht werden können, und zugleich Empfehlungen abgeben, mit welchen Maßnahmen der Strukturwandel in betroffenen Bergbau-Regionen positiv gestaltet werden kann. 

»Ich gratuliere Prof. Wehrspohn zur Berufung in diese wichtige Kommission. Wir verstehen dies auch als Anerkennung der herausragenden Expertise von Fraunhofer und dem Fraunhofer IMWS unter der Leitung von Prof. Wehrspohn«, erklärt Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Bei einem Thema von so hoher gesellschaftlicher Relevanz ist es nicht nur hilfreich, die betroffenen Interessengruppen einzubeziehen, sondern auch elementar, die Debatte auf Basis neuester wissenschaftlicher Fakten und Erkenntnisse zu führen. Für das Erreichen klimapolitischer Ziele, die Bewältigung der Herausforderungen für die energieintensive Industrie und den Strukturwandel in Kohlerevieren kann die Wissenschaft die richtigen Antworten beisteuern. Es sind insbesondere die Innovationen in der Forschung, die den direkten Zugang zu Lösungen für die Gestaltung unserer Zukunft bieten«, so Neugebauer.

Wehrspohn leitet seit 2006 das Fraunhofer IMWS. Schwerpunkt des Instituts ist die Optimierung und Entwicklung von Werkstoffen und Systemen, die durch höhere Zuverlässigkeit, Sicherheit, Lebensdauer und Funktionalität zu mehr Materialeffizienz und damit weniger Ressourcenverbrauch beitragen. Zum Portfolio des Instituts in Halle gehört auch die Schnittstelle zwischen Materialforschung und volkswirtschaftlichen Fragestellungen. In zahlreichen Projekten engagiert sich das Fraunhofer IMWS gemeinsam mit Partnern für Lösungen zur Energiewende, etwa in der Photovoltaik-Forschung oder beim Erschließen neuer Anwendungsfelder für nachwachsende Rohstoffe, unter anderem im Rahmen des Leistungszentrums Chemie- und Biosystemtechnik. 

»Zentral bei all unseren Projekten ist der Einsatz sowohl für Nachhaltigkeit als auch für Wirtschaftlichkeit. Diese Perspektive möchte ich auch in die Kommission einbringen. Das bedeutet in meinen Augen, dass alle Optionen auf ihren Beitrag für Nachhaltigkeit und hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen überprüft werden sollten – und zwar technologieoffen«, sagt Wehrspohn. 

Als Beispiel für die Bedeutung des Innovationsgedankens nennt der 47-jährige Physiker das Projekt Carbontrans, das gerade vom Fraunhofer IMWS initiiert wurde. Dabei soll eine Pilotanlage entstehen, bei der Kohlenstoffträger wie Plastikmüll zusammen mit Braunkohle oder Biomasse vergast werden. Auf diese Weise entsteht Synthesegas, ein Ausgangsmaterial für viele Produkte der chemischen Industrie. »Wir wollen Kohle nicht verfeuern, wodurch das Klima belastet wird, sondern Kohlenstoffträger stofflich nutzen. Dieses Projekt ist ein weiterer Baustein unseres Einsatzes für Nachhaltigkeit: Aus Abfall entsteht ein wertvoller Rohstoff für die chemische Industrie. Zudem eröffnet sich eine Perspektive für eine wertschöpfende und klimafreundliche Nutzung von Braunkohle als regional verfügbarer Ressource und damit auch für den Erhalt hochwertiger Arbeitsplätze in den Revieren. Ich bin sicher, dass dieser Ansatz auch für die Mitglieder der Kommission spannend ist«, sagt Wehrspohn.