Internationale Fachtagung »PolyMerTec« 2018

»Der Anwendungsbezug ist noch einmal gestiegen«

Vom 13. bis 15. Juni 2018 findet an der Hochschule Merseburg die internationale Fachtagung »PolyMerTec« statt. Erwartet werden rund 300 Experten aus der Polymerforschung und Kunststoffindustrie. Die Tagungsleiter Prof. Dr. Beate Langer, Professorin für Kunststofftechnik/ Polymerwerkstoffe an der Hochschule Merseburg, und Prof. Dr. Peter Michel, Professor für Kunststoffverarbeitung an der Hochschule Merseburg sowie Leiter des Geschäftsfelds Polymeranwendungen am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale), blicken im Interview auf die Veranstaltung voraus, die von der Hochschule Merseburg und dem Institut für Polymerwerkstoffe e.V. in enger Kooperation mit dem Kunststoff-Kompetenzzentrum Halle-Merseburg und der Stiftung Akademie Mitteldeutsche Kunststoffinnovationen ausgerichtet wird.

Profilbild Prof. Dr. Beate Langer
© Institut für Polymerwerkstoffe e. V.

Tagungsleiterin Prof. Dr. Beate Langer, Professorin für Kunststofftechnik und Polymerwerkstoffe an der Hochschule Merseburg

Frau Prof. Langer, wie würden Sie die Besonderheit der »PolyMerTec« in drei Wörtern umschreiben?

Langer: Das fällt mir nicht schwer: Tradition, Ingenieurwissenschaften, Industrie. Die Tradition steht für die lange Historie unserer Tagung. Die »PolyMerTec« ist aus der Tagungsreihe »Polymerwerkstoffe« hervorgegangen, die jahrzehntelang zu den prägenden Konferenzen auf dem Gebiet der Polymerwissenschaften gehörte. Seit 2014 sind die Themen der Veranstaltung unter dem neuen Titel »PolyMerTec« stärker ingenieurwissenschaftlich orientiert, was nicht nur der Nachfrage unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer entspricht, sondern auch der Ausrichtung unserer Hochschule. Mit dem Begriff »Industrie« meine ich den klaren Mehrwert, den Unternehmen – anders als bei rein akademisch ausgerichteten Konferenzen – aus einem Besuch unserer Tagung ziehen können. Gerade durch den Fokus auf die Ingenieurwissenschaften ist der Anwendungsbezug unserer Themen noch einmal gestiegen.

 

Herr Prof. Michel, Sie organisieren zum zweiten Mal gemeinsam mit Frau Prof. Langer die Tagung und sind auch selbst mit einem Vortrag im Programm vertreten. Wir würde denn ihr ideales Publikum aussehen?

Michel: Ich würde mich freuen, mit Vertretern der polymererzeugenden, -verarbeitenden und -anwendenden Industrie in den Austausch zu kommen. Dazu natürlich mit den Fachkollegen aus Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Auch für Studierende dürfte die Tagung viele interessante Anregungen geben. Ganz bewusst haben wir den Termin deshalb nicht in die Semesterpause gelegt. Der Dialog dieser Zielgruppen macht meiner Ansicht nach den Reiz der »PolyMerTec« aus. Besonders freue ich mich auf den Einführungsvortrag »Industrie 4.0 – Maschinentechnik im Spannungsfeld zwischen Wunsch und Wirtschaftlichkeit« von Hilmar Heithorst, Leiter des Geschäftsbereichs »Schaum-, Folien- und Plattenextrusionsanlagen« bei KraussMaffei. Er wird darauf blicken, was beim »Internet der Dinge« bloß ein Schlagwort oder Zukunftsvision ist, was technisch bereits machbar ist und vor allem, was für Kunden Sinn macht und sich somit für Unternehmen rechnet.

 

Viele Vorträge kommen von Expertinnen und Experten aus Deutschland und aus der Region. Hat die Tagung zu wenig internationale Strahlkraft?

Langer: Das sehe ich nicht so. Zum einen sind führende Fachleute etwa aus Argentinien, Ungarn oder Nepal in unserem Programm vertreten. Zum anderen hat Mitteldeutschland, auch im weltweiten Maßstab, eine einmalige Tradition in der Polymerverarbeitung und verfügt über exzellentes Know-how in diesem Bereich. Dass einige unserer Referentinnen und Referenten aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck kommen, geht damit in keiner Weise auf Kosten der fachlichen Qualität. Für die Teilnehmer der Tagung sehe ich darin sogar einen Vorteil: Die Ansprechpartner kennen die Rahmenbedingungen der Region und sind – etwa bei der Anbahnung von Kooperationen, die aus Gesprächen auf der Tagung hervorgehen können – gleich »um die Ecke« verfügbar. Übrigens zeigt auch der Tagungstitel diese Verwurzelung: Das »Mer« in »PolyMerTec« steht für »Merseburg«.

 

Was wird neben Vorträgen noch geboten?

Michel: In den drei Schwerpunkten »Kunststofftechnologie & Polymerverarbeitung«, »Polymeranalytik, Kunststoffprüfung & -diagnostik« und »Polymeranwendungen und Kunststoffprodukte« wird es insgesamt circa 120 Vorträge geben. Dazu kommt das Seminar »Deformation und Bruchverhalten von Kunststoffen«. In einer Posterausstellung präsentieren wir aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Führende Hersteller von Geräten zur Charakterisierung, Prüfung und Verarbeitung von Kunststoffen wie Anton Paar, Zwick oder Mettler Toledo zeigen in einer Ausstellung parallel zum Tagungsprogramm ihr neustes Equipment. Zum zweiten Mal finden spezielle Firmenkolloquien statt, in denen unsere Gäste einen intensiven Einblick in das Portfolio der jeweiligen Unternehmen und deren aktuelle Entwicklungen erhalten können.

 

Welche Trends der Branche werden im Programm eine besondere Rolle spielen?

Langer: Zu den Schwerpunkten im Programm gehören nanostrukturierte Polymersysteme, die neue Einsatzfelder möglich machen oder Vorteile für die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer mit sich bringen können, ebenso wie Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Wir nehmen Polymere als Werkstoffe für die additive Fertigung in den Blick, also sozusagen als »Tinten« für den 3D-Druck, ebenso wie neue Mess- und Prüfmethoden oder die sich immens entwickelnden Möglichkeiten der Modellierung und Simulation mittels immer leistungsfähigerer Verarbeitung großer Datenmengen. Polymere zählen zu den weltweit wichtigsten Werkstoffen, ihre Bedeutung wächst beispielsweise durch Leichtbauanwendungen eher noch – die Themen gehen uns also nicht aus.