Workshop in Dresden

Presseinformation / 19.10.2018

Die Schaffung eines europäischen Netzwerks zur Stärkung der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft ist zentrales Ergebnis des deutsch-polnisch-tschechischen Workshops »Integrierte Technologieentwicklung für einen effektiven und nachhaltigen Einsatz heimischer Kohlenstoffträger«, der gestern in Dresden stattfand. Mit der Initiative sollen heimische Rohstoffe klimafreundlich genutzt und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemieindustrie gestärkt werden. Industrie-Experten, Politiker und führende Wissenschaftler aus den drei Ländern diskutierten zudem über neue Konversionstechnologien, Potenziale der Sektorkopplung und die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Workshop Kohle Polen Tschechien
© Fraunhofer IMWS

Polnische, tschechische und deutsche Fachleute aus Industrie, Politik und Wissenschaft diskutierten in Dresden über eine effiziente und klimafreundliche Nutzung von Kohlenstoffträgern.

»Die heimischen Kohlenstoffvorkommen und -reserven sind eine enorm wertvolle Ressource. Das Bestreben, diese möglichst effizient und nachhaltig zu nutzen, eint Industrie, Politik und Forschung in Deutschland, Tschechien und Polen«, sagt Prof. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale), auf dessen Einladung die Fachleute zusammenkamen. »Gemeinsam wollen wir neue Nutzungsmöglichkeiten für Kohlenstoffressourcen entwickeln. Das unterstützt einen erfolgreichen Strukturwandel und erhält Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how in den Kohlerevieren Europas.« 

Nach dem erfolgreichen Auftakt der trilateralen Zusammenarbeit im vergangenen Jahr im polnischen Zabrze tauschten sich die Experten diesmal in zwei Sessions am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden aus. Schwerpunktthema war die stoffliche Nutzung von Kohle und kohlenstoffhaltigen Abfällen für eine zirkulare Kohlenstoffwirtschaft. 

In einem Keynote-Vortrag ging Wehrspohn auf die Bedeutung von Grünem Wasserstoff, der mittels Elektrolyse unter Einsatz erneuerbarer Energien gewonnen wird, für eine nachhaltige Kohlenstoffwirtschaft ein. Zuvor waren Grußworte verlesen worden, die Dr. Jadwiga Emilewicz, polnische Ministerin für Unternehmertum und Technologie, und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, den Teilnehmern des Workshops übermittelt hatten. 

»Wir haben die aktuelle Situation in unseren drei Ländern und die zukünftigen Anforderungen für eine nachhaltige Kohlenstoffwirtschaft in den Blick genommen, etwa bei den Wertschöpfungsketten, vor allem aber Strategien für die internationale Kooperation diskutiert und weiterentwickelt. Das war ein wichtiger Schritt, um möglichst schnell und mit vereinten Kräften tragfähige Lösungen zu schaffen – für die Kohlereviere und für das Klima«, sagt Prof. Bernd Meyer, Leiter des Geschäftsfelds »Chemische Konversionsprozesse« am Fraunhofer IMWS und Leiter des Instituts für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen IEC der TU Bergakademie Freiberg, mit dem die Tagung gemeinsam ausgerichtet wurde. Er stellte in einem zweiten Keynote-Vortrag zudem den Stand des Projekts CarbonDemonstration in Leuna und die Perspektiven der Umwandlung kohlenstoffhaltiger Abfälle in Synthesegas vor. 

Die Expertinnen und Experten der drei Länder verständigten sich darauf, ein gemeinsames europäisches Netzwerk zur Kohlenstoffkreislaufwirtschaft zu unterstützen. Partner aus Energiewirtschaft, Abfallwirtschaft und chemischer Industrie sollen gemeinsam mit führenden Forschungseinrichtungen der Länder technologieoffen Konzepte entwickeln, die die künftigen Anforderungen an europäisch harmonisierte regulatorische Rahmenbedingungen berücksichtigen und zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie in Europa beitragen. Die Initiative »European Network towards a Circular Carbon Economy« (ENC2E) wird den verantwortlichen Vertretern der Europäischen Kommission zum nächsten Plattform-Meeting »Coal Regions in Transition« in Brüssel vorgestellt. Die zuständigen nationalen Ministerien sollen bereits im Vorfeld über den erreichten Durchbruch für eine gemeinsame Strategie unterrichtet werden. 

Der nächste Workshop wird im Oktober 2019 im tschechischen Litvinov stattfinden. Gastgeber sind dann das Braunkohlenforschungsinstitut VUHU in Most und Unipetrol A. S.